Katastrophenschutz unmöglich!

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Rodenkirchen/Oldenburg- Aktivisten der Greenpeace Gruppen Bremerhaven und Oldenburg protestierten heute in den späten Abendstunden gegen den Transport von hochradioaktivem Atommüll aus dem Atomkraftwerk Unterweser in die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Während der Durchfahrt des Castortransportes entrollten die Umweltschützer an einem Bahnübergang ein Banner: "Eon muss die Wiederaufarbeitung stoppen. Atommüll gehört nicht ins Meer."

"Wir fordern Eon und die verantwortlichen Politiker auf, dafür zu sorgen, dass kein weiterer deutscher Atommüll mehr ins Ausland zur Wiederaufarbeitung geht.", sagt Ronny Meyer von der Greenpeace Gruppe Oldenburg. Bei der Wiederaufarbeitung werden die abgebrannten Brennstäbe aus Atomkraftwerken chemisch aufgelöst. Uran und Plutonium werden abgetrennt und dabei Teile des entstehenden Flüssigmülls einfach ins Meer geleitet. Die staatliche Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage von Sellafield, British Nuclear Fuels (BNFL), pumpt jeden Tag rund acht Millionen Liter radioaktive Abwässer in die Irische See - knapp 3 Milliarden Liter im Jahr.

"Sellafield ist die größte atomare Dreckschleuder in Westeuropa und verseucht Mensch und Umwelt. Daran hat leider auch die OSPAR-Konferenz letzte Woche nichts geändert " so Meyer. Aufgabe der OSPAR ist der Schutz der Nordsee und des Nordostatlantiks. Auf der OSPAR Konferenz in Bremen haben sich die 15 Umweltminister der Mitgliedsstaaten getroffen. Streitpunkt auf der OSPAR in Bremen war die Frage, wann die Einleitung von flüssigem radioaktiven Müll aus den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (Frankreich) und Sellafield (England) ins Meer endlich beendet wird. Atommüll von Schiffen aus auf hoher See zu verklappen, ist seit 1993 verboten - vom Land aus ist die Einleitung derselben Stoffe jedoch weiter erlaubt. Ronny Meyer: "Die Umweltminister haben es versäumt, einen durchgreifenden Beschluss gegen die radioaktiven Einleitungen zu fassen. Sie haben in Bremen abgesegnet, dass noch jahrelang, vielleicht sogar jahrzehntelang Menschen, Tiere und die Meeresumwelt in Europa durch strahlenden Müll gefährdet werden." Die radioaktiven Einleitungen in Nordsee und Nordostatlantik liegen heute höher als vor fünf Jahren. Die Briten und Franzosen halten auch weiterhin an der Wiederaufarbeitung fest und ignorieren die Beschlüsse der OSPAR. Auf klare Daten zur Stilllegung ihrer Wiederaufarbeitungsanlagen ließen sie sich nicht festlegen.

"Eon ist an der systematischen Verseuchung in Sellafield beteilt. In der Werbung gibt sich Eon ein modernes und sauberes Image, doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus." so Ronny Meyer. Ein Vergleich von Bodenproben aus der Umgebung von Tschernobyl mit Proben aus der Umgebung der Anlage Sellafield zeigt, dass die Anlage die Umwelt vergleichbar stark radioaktiv verseucht, wie es die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl getan hat.

Aus den deutschen Atomkraftwerken gingen bisher rund 820 Tonnen hochradioaktive Abfälle zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield, davon rund 230 Tonnen aus Unterweser. In Sellafield ist Deutschland hinter Japan der zweitgrößte ausländische Kunde.

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