Menschengerechte Mobilität

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Fahrradstadt ist niedersächsischer Spitzenreiter bei NO2

Oldenburg ist eine beliebte Fahrradstadt. Im letzten Jahr hat Oldenburg sogar die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune“ erhalten. Trotz des relativ hohen Radverkehrsanteils ist die Übermorgenstadt mittlerweile Spitzenreiter hinsichtlich der gemessenen Luftschadstoffe, insbesondere des gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid. Obwohl hier nahe der Nordseeküste eigentlich immer leichter Wind weht, überschreitet die Kommune an der Messstelle Heiligengeistwall, nahe Lappan seit 5 Jahren regelmäßig die zulässigen Grenzwerte von 40 µg/m³.

Die Gesundheitsgefahren von Stickstoffdioxid sind hinlänglich bekannt. Hohe Konzentrationen, die Spitzenwerten an stark befahrenen Straßen ähneln, wirken sich nach etwa einer Stunde negativ auf die Atemwege aus. Als starkes Oxidationsmittel reizt Stickstoffdioxid in hohen Konzentrationen schon bei kurzem Kontakt die Schleimhäute der Atemwege und Augen. Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von lokal hohen Stickstoffdioxid Konzentrationen und der folgenden Zunahme von Krankenhauseinweisungen wegen atemwegsbedingter Erkrankungen und auch Herz-Kreislauf-Problemen erkennen. Menschen, die hohen Konzentrationen ausgesetzt sind, leiden auch eher an Asthma, Atemnot, Bronchitis, Lungenödemen und Lungeninfekten.

Die Europäische Umweltagentur bezeichnet die hohe Luftverschmutzung als das schwerwiegendste umweltbedingte Gesundheitsrisiko in Europa, das mit vier Milliarden Euro die Gesundheitssysteme belasten wird. Für Deutschland rechnet sie mit über 10.000 vorzeitigen Todesfällen allein durch Stickstoffdioxid, damit zusammen hängen noch einmal fast 60.000 Todesfälle durch Feinstaub und etwa 2000 durch Ozon. Diese 70.000 vorzeitigen Todesfälle sind – verkehrsbedingt – vor allem bei Stadtbewohnern zu erwarten.

Oldenburg wächst. Immer mehr PKW drängen sich nur nicht nur am Stau sondern auch immer öfter im Stau durch die Huntestadt. Der Trend zu größeren, schwereren und leistungsstärkeren PKW hat dabei auch vor der Übermorgenstadt nicht hat gemacht. Zwar hat die Stadt in den letzten Jahren auch geringfügig etwas für den Radverkehr getan, ist bei Reduzierung der Luftverschmutzung oder Verringerung des  Kraftverkehrs im Allgemeinen untätig geblieben. Außer der Beauftragung eines Fachgutachters zur Prüfung bestimmter Maßnahmen ist in Oldenburg bislang nichts geschehen.

Die Einrichtung von Umwelt-Zonen hat sich in den letzten Jahren durchaus als hilfreich erwiesen. Zwar sind immer noch Dieselfahrzeuge dank Abgasbetrug mit zu hohen Schadstoffwerten unterwegs, dennoch hat die Belastung nachweislich abgenommen. Der nun aus dem Abgasskandal resultierend konsequente Schritt wäre die Einführung einer blauen Umweltplakette. Doch die Einführung ist an der Blockade des Verkehrsministers gescheitert. Nach einer Vielzahl von vergeblichen Appellen erwägt die Stadt Stuttgart nun härter Maßnahmen und möchte bestimmte Dieselfahrzeuge zu mindestens temporär aus der Stadt verbannen.

Die Städte Osnabrück und Hannover weisen ähnlich wie Oldenburg an den stationären Luftmessstellen ähnlich hohe Stickstoffdioxid Belastungen auf, haben aber in den letzten Jahren immerhin Umweltzonen eingerichtet und ihre Werte leicht senken können.

Die Errichtung einer Umweltzone allein wird die Emissionen nicht ausreichend nachhaltig senken können.

Greenpeace Oldenburg fordert:

  • Einführung einer Umweltzone im Innenstadtbereich
  • Einführung einer „City-Maut" (Einnahmen ausschließlich in den ÖPNV/SPNV investieren) um evt. die Tarife zu senken um den ÖPNV/SPNV kostengünstiger oder sogar kostenlos zu machen
  • Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit
  • Zügige Umsetzung der Tempo 30 Zonen vor Grundschulen, Kita und Altenheimen
  • Bannmeilen für Elterntaxis an Schulen und Kindertagesstätten
  • Park & Ride-Plätze am Stadtrand
  • VBN Kleingruppen-Karte
  • Umsetzung des Radverkehrskonzeptes" der Initiative Radverkehr Oldenburg (IRO)
  • Weiterentwicklung des Radverkehrskonzept von 2009
  • Ausbau des Radwegenetzes & Schaffung weiterer Fahrradstraßen, mehr (überdachter) Fahrradstellplätze
  • Förderung des Berufsradverkehrs
  • Förderung der autofreien Mobilität, insbesondere für Neubürger.
  • Schlossplatzstraße dauerhaft vom MIV befreien
  • LKW-Durchfahrtverbot (nur Quell- und Zielverkehr zulässig)
  • Keine Zugeständnisse an SUV, Richtwerte für Stellplatzgrößen müssen beibehalten werden. Die Stadt darf nicht zum Parkplatz schwerer Fahrzeuge verkommen
  • Gerechtere Umverteilung der Verkehrsausgaben zu Gunsten von Fußgängern und Radfahrern. Die pro-Kopf Ausgaben für Radwege liegen mit 2,10€ weit unter den Richtwerten (18-19€), den Forderungen (ADFC) oder             Nachbarkommunen in den Niederlanden Groningen

Lesetipps:

Videobericht: "Kampf um die Straßen"
NDR Reportage über das Radfahren in Hamburg, Osnabrück und Oldenburg

Greenpeace zieht Bilanz: Die Verkehrspolitik der Großen Koalition von 2013 bis 2017

 

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