Castortransport durch Oldenburg

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Oldenburg, 22.04.2002 - Aktivisten der Greenpeace Gruppe Oldenburg demonstrierten in den frühen Morgenstunden gegen den Transport zweier Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen aus dem Atomkraftwerk Unterweser durch die Oldenburger Innenstadt. Vor der Eisenbahnbrücke am Anfang der Fussgängerzone (Heiligengeiststrasse) errichteten die Umweltschützer ein 4 m großes "X" als Protestsymbol gegen den mittlerweile vierten Atommülltransport durch ihre Stadt und fordern auf einem Transparent: "Stoppt Castor - Stoppt Atomenergie". Rote Fackeln beleuchteten die Fahrt des Zuges mit den Atommüllbehältern über die Brücke am Pferdemarkt.

"Regelmäßig fahren Castoren mit hochradioaktivem Müll mitten durch Oldenburger Wohngebiete und bedeuten jedesmal eine große Gefahr für die Bevölkerung", sagt Matthias Lange, Pressesprecher der Oldenburger Greenpeace Gruppe. Die Castorbehälter sind nur unzureichend getestet und nicht für realistische Unfallszenarien ausgelegt. Seit Juni letzten Jahres ist dies bereits der vierte Castortransport über die Strecke Hude, Oldenburg, Leer. "Die Route über Oldenburg ist zur neuen Lieblingsstrecke des Atomstromkonzerns Eon geworden, um seine schmutzige Fracht nach Sellafield zu schaffen."

Der Transport ist für die sogenannte Wiederaufarbeitungsanlage im englischen Sellafield bestimmt. Dort wird Uran und Plutonium aus dem abgebrannten Kernbrennstoff heraus getrennt. Einen Teil der dabei anfallenden leicht radioaktiven Abfälle leitet die Betreiberfirma British Nuclear Fuels (BNFL) aus Kostengründen direkt in die Irische See. Durch die Gezeiten werden die radioaktiven Substanzen wieder an die Küste gespült und verseuchen so Strände, Wiesen und Flussläufe. Die Folge: In der Umgebung der Atomanlage ist die Leukämierate bei Kindern um das Zehnfache höher als im Landesdurchschnitt.

"Deutscher Atommüll verursacht Blutkrebs bei Kindern in England, doch die Atomindustrie sorgt unbeirrt für Nachschub an radioaktiver Gefahr", so Lange. Ginge es nach dem Willen der Atomstromkonzerne Eon, EnBW und RWE sollen im Jahr 2002 insgesamt 125 Behälter in die sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen im englischen Sellafield und französischem La Hague rollen. Mit diesem wahnwitzigen Plan wollen die Betreiber der Atomkraftwerke ihr im vergangenen Jahr entstandenes Transportdefizit wettmachen. Von insgesamt 96 genehmigten Castor-Transporten konnten nur 48 durchgeführt werden. Für Greenpeace ist dies ein sichtbarer Erfolg der Protestaktionen gegen die Atommülltransporte.

Die Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield und La Hague wären in Deutschland nicht genehmigungsfähig. Trotzdem gibt die Bundesregierung bis 2005 grünes Licht für Atomtransporte nach England und Frankreich. Dabei schreibt das geltende Atomgesetz auch in der neuen Fassung die "schadlose Verwertung" der giftigen Fracht vor. Angesichts der katastrophalen Zustände in Sellafield und La Hague kann davon jedoch keine Rede sein. Greenpeace fordert daher einen sofortigen Transportstopp.

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